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40 bis 50 Prozent der betroffenen Patienten
weisen Kammerflimmern auf
Etwa 40 - 50 Prozent der Patienten, die vom Rettungsdienst wiederbelebt
werden, weisen bei der ersten EKG-Rhythmusanalyse „Kammerflimmern“
auf. Es handelt sich hierbei um eine Herzrhythmusstörung, bei
der die Muskulatur des Herzens so unkoordiniert arbeitet, dass
die Herzmuskelfasern sich ungleichmäßig zusammenziehen, der
Herzmuskel insgesamt "flimmert". Infolge dessen wird
kein Blut mehr gepumpt, es kann kein Puls mehr getastet werden.
Der Patient ist klinisch tot.
Defibrillation ist die einzig wirksame Behandlung des Kammerflimmerns
Die einzig
wirksame Behandlung des Kammerflimmerns ist die sofortige elektrische
Defibrillation, unterstützt von den Basismaßnahmen der Wiederbelebung
(Atemspende, Herz-Druck-Massage). Bei der elektrischen Defibrillation
wird mittels großflächiger Elektroden ein Stromstoß auf den
Körper des Betroffenen abgegeben. Dadurch soll das ungeordnete
Fibrillieren der Herzmuskelfasern unterbrochen und in eine regelrechte
Aktion überführt werden. Da der Stromstoß jedoch auch andere
Muskeln erreicht, „zuckt“ der Patient hierbei insgesamt zusammen.
Überlebenswahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit
einer erfolgreichen Defibrillation wird entscheidend durch den
Faktor Zeit begrenzt. Je früher die Defibrillation durchgeführt
wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient
überlebt. Eine Kombination aus sofortiger Frühdefibrillation
und weiterführenden Wiederbelebungsmaßnahmen (Medikamente, Infusionen
etc.) erhöht die Überlebenschancen (= Entlassung aus dem Krankenhaus)
des Patienten um bis zu 60 Prozent. Wird hingegen erst nach
10 Minuten defibrilliert, beträgt die Überlebenswahrscheinlichkeit
nur ca. 5 %.
Frühdefibrillation
durch nichtärztliches Personal
Da bis zum
Eintreffen des Rettungsdienstes also lebenswichtige Minuten
vergehen, ist zu überlegen, ob die Maßnahme der Frühdefibrillation
auch an nichtärztliches Personal übertragen werden kann. Die
Industrie hat hierzu moderne, automatische Defibrillatoren entwickelt,
die das EKG des Patienten über Elektroden aufnehmen, auswerten
und bei Vorliegen von Kammerflimmern eine Defibrillation empfehlen.
Der Stromstoß muss vom Anwender jedoch selbst ausgelöst werden.
Die medizinische Fachkompetenz ist bei diesen Geräten quasi
eingebaut. Diese automatisierten externen Defibrillatoren (AED)
können selbst die Indikation zur Defibrillation stellen.
Medizinische Fachgremien / Bundesärzte der Hilfsorganisationen
Da diese Geräte
sehr sicher in der Anwendung sind, haben sich verschiedene medizinische
Fachgremien mit der Frage beschäftigt, ob auch Nichtärzte, also
Rettungsassistenten, aber auch Sanitäts- und Ersthelfer defibrillieren
können und dürfen. In den Leitlinien des European Resuscitation
Council (ERC) heißt es hierzu: „Das ERC unterstützt nachdrücklich
das Konzept der Frühdefibrillation innerhalb der Überlebenskette.
Um das Ziel der Frühdefibrillation zu erreichen, ist es unerlässlich,
nicht-ärztlichem Personal die Defibrillation unter bestimmten
Bedingungen zu erlauben. Der wissenschaftliche und klinische
Beweis spricht mit überwältigenden Daten für diese Strategie.“
Auch die Bundesärzte der Hilfsorganisationen haben entsprechende
Rahmenempfehlungen ausgesprochen.
Qualifizierungsprogramm des Deutschen Roten Kreuzes
Zur
Zeit entwickelt das Deutsche Rote Kreuz Lehr- und Lernunterlagen
zur Frühdefibrillation, um die überwiegend ehrenamtlichen Sanitäterinnen
und Sanitäter entsprechend qualifizieren zu können. In Pilotlehrgängen,
die Ende des Jahres durchgeführt werden, sollen die Erfahrungen
gesammelt werden, die notwendig sind, um eventuell auch interessierten
Ersthelfern diese anspruchsvolle Ausbildung anbieten zu können.
Voraussetzung zur Teilnahme an den Pilotlehrgängen ist die erfolgreich
abgeschlossene Ausbildung im Sanitätsdienst und die Fortbildung
„Notfalltraining Reanimation“. Das Projekt „Frühdefibrillation“
erfolgt gemäß den Empfehlungen der Bundesärzte. Eine ärztliche
Überwachung des Projektes ist unbedingt erforderlich.
Erste Erfahrungen
/ Frühdefibrillation im Fußballstadion
Bei einem
Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Hertha BSC Berlin konnte
ein Zuschauer erfolgreich wiederbelebt werden, weil die von
den im Stadion anwesenden Sanitätern durchgeführte „Frühdefibrillation“
durch Notarzt und Rettungsassistent sofort medikamentös weitergeführt
wurde. Der Patient hat überlebt und kann die Fußballspiele „seiner“
Mannschaft begeistert weiterverfolgen. Der halbautomatische
Defibrillator hat in der Hektik des Fußballspiels (während der
5-minütigen Wiederbelebungsphase wurden zwei Tore erzielt!)
sehr viel Ruhe und Sicherheit gebracht.
Stefan Osche / Maike Just;DRK-GS,Bonn
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